iPhone vs. Systemkamera: Wer macht die besseren Fotos?

In letzter Zeit habe ich mich neben der Smartphone Fotografie auch für Systemkameras und DSLRs interessiert. Wer macht die besseren Fotos? Ein iPhone 11 Pro oder eine Sony Alpha 6000 Systemkamera?

Was sind die größten Unterschiede zwischen einer Smartphone Kamera und einer Systemkamera? Warum machen iPhones und andere Handys heutzutage so gute Fotos, so dass die Digitalkameras inzwischen um ihren Platz in der Fotografie kämpfen müssen?

Smartphone vs. Systemkamera vs. DSLR: Der Sensor

Welche Unterschiede bestehen eigentlich zwischen einer Smartphone Kamera und einer DSLR oder einer Systemkamera? Zuerst einmal ist da der Sensor zu nennen. Auf den Sensor fällt das Licht durch die Linse und die Blende, wenn ein Foto gemacht wird. Die physikalische Größe des Sensors entscheidet über die Pixelanzahl, die darauf untergebracht werden können und auch darüber, wie groß die einzelnen Pixel sind. Allgemein kann gesagt werden: Je größer der Sensor, desto mehr Details können eingefangen werden und desto höher ist die Bildqualität. Der kleinste Sensor ist in Smartphones zu finden, der Micro Four Thirds Sensor wird bei Premium Digitalkameras eingesetzt, ein APS-C Sensor kommt in Systemkameras und in vielen DSLRs vor, und das Vollformat wird in einigen wenigen kleineren Systemkameras eingesetzt und ansonsten in hochwertigeren und Profi-DSLRs. Ganz so einfach ist es mit der Rechnung von Qualität und Sensorgröße allerdings nicht. Ältere Profi-DSLRs im Vollformat konnten noch nicht so viele Pixel aufnehmen, und aktuelle Systemkameras mit APS-C Sensor liefern heutzutage bessere Bildqualität ab als eine alte Vollformat-DSLRs.

Interne Foto Nachbearbeitung beim Handy und bei der DSLR oder Systemkamera

Wer schon mal ein Google Pixel 3 oder ein Google Pixel 4 besessen hat, weiß: Google hat es mit der HDR-Nachbearbeitung und überhaupt der Nachbearbeitung von Fotos wirklich raus. Die Linse und die Blende im Google Pixel sind winzig, aber die Software bessert einiges an den aufgenommenen Fotos aus. Zumeist wird die Bilddynamik – also der Unterschied zwischen Farbübergängen und hellen und dunklen Stellen verschärft und jede Weichzeichnung wird rausgenommen. Das gibt den Google Pixel Fotos einen knackigen besonderen Ton, der innerhalb der Smartphone Community großen Anklang gefunden hat. Die Nachbearbeitung der Fotos in einer Systemkamera oder DSLR ist dezent und kann sowieso über die Einstellungen vollkommen deaktiviert werden. Nicht umsonst wird bei vielen DSLRs und Systemkameras über das RAW-Format gesprochen. Hier wird ein Foto von über 20-30 MB aufgenommen, und in der eigenen Nachbearbeitung sind dann viele individuelle Bearbeitungen möglich. Diese Überarbeitungen übernimmt in einem Smartphone zumeist ein Algorithmus. Diesen Algorithmus wollen sie Profi-Fotografen nicht vorschreiben lassen. Für den Ottonormal-Knipser sind die Algorithmen oftmals ein Segen: Ohne viel Aufwand lassen sich schnell ästhetisch ansprechende fotografische Ergebnisse für Instagram oder eine Webseite erzielen.

Smartphone Fotografie: Was sind die neuesten Trends?

Bei den Smartphones wächst die Anzahl der Kameras: Das Huawei Mate 20 Pro hatte als erstes Smartphone vier Kameras verbaut, die alle eine andere Aufgabe hatten: Die Software setzte dann aus den Informationen der vier Kameras ein entsprechend ansprechendes Bild zusammen. Zumeist geht es bei den verschiedenen Kameras um Bildinformationen für die Tiefenschärfe bzw. das sogenannte Bokeh, oder um einen zusätzlichen Zoom oder um eine Möglichkeit, Fotos im Weitwinkelformat schießen zu können. Wichtig ist für Smartphones das Lowlight-Verhalten geworden: Wie gut wird ein Foto, das bei schlechten Lichtverhältnissen aufgenommen wird? Auch da hilft inzwischen vor allem bei den Google Pixel Geräten, den Samsung Flagschiffen und beim iPhone und den neuesten Huawei Flagschiffen vor allem die Software nach.

iPhone 11 Pro gegen eine Sony Alpha 6000: Ein Erfahrungsbericht

Braucht man bei solcher Smartphone Foto-Qualität noch eine DSLR oder Systemkamera?

Ich habe in den letzten Wochen sowohl ein iPhone 11 Pro als auch eine Sony Alpha 6000 zum Fotografieren dabei gehabt. Was habe ich gelernt und welche Erfahrungen habe ich gemacht? Welche Kamera würde ich bevorzugen?

  • Das Handy hat man immer dabei: Ein klarer Pluspunkt für die Smartphone Fotografie ist die Handlichkeit. Eine DSLR oder eine Systemkamera ist einfach um einiges größer und schwerer als ein Smartphone. Das Smartphone hat man sowieso immer dabei, die Kamera muss man eben immer extra mitnehmen. Wenn man auf verschiedene Objektive setzt, muss man auch die in einer Tasche gut aufbewahrt mitnehmen.
  • Bei der Familienfeier an Weihnachten hat die Sony Alpha 6000 klar gewonnen. Ich befand mich lange Zeit am selben Ort, hatte genug Zeit mich auf Motive einzustellen und konnte bei vielen Menschen in einem Raum schöne Tiefeneffekte erzeugen. Indoor und mit viel Zeit lohnt es sich, eine DSLR oder Systemkamera in die Hand zu nehmen.
  • Tiefenschärfe und Bokeh: DSLR und Systemkamera gewinnen hier klar. Zuerst einmal: iPhone und Google Pixel haben hier extrem aufgeholt. Die Sensoren stellen schnell Hintergrund und Vordergrund fest und bearbeiten den Hintergrund unscharf. Ist aber eben nur per Software, funktioniert nicht immer 100% und sieht manchmal einfach unecht aus. Auch wenn das selten der Fall ist und der Portrait-Modus meistens sehr gut funktioniert, ist das echte Bokeh von DSLR und Systemkamera um einiges schöner. Wer also durch die Smartphone-Fotografie die Portrait-Fotografie lieben gelernt hat, wird dann bei den Ergebnissen von Systemkamera und DSLR in punkto Tiefenschärfe wirklich auf den Geschmack kommen. Pro-Tipp: Hier natürlich zu einer Vollformat-Kamera greifen. Durch den größeren Bildausschnitt bei Vollformat-Kameras tritt der Hintergrund schneller in Unschärfe.
  • Mit dem Kinderwagen unterwegs und ein tolles Motiv gesehen? Schnell das iPhone 11 Pro gezückt und obiges Bild mit Hipstamatic geschossen. Wer braucht bei sowas noch eine DSLR oder Systemkamera? Genau – für Schnappschüsse dieser Art benötigt man keine mehr. Das iPhone 11 Pro und andere Handys gewinnen natürlich wenn es um Schnelligkeit und Handlichkeit geht.
  • Fotos auf dem PC bearbeiten: Ganz klarer Sieg für die DSLRs und Systemkameras. Die Kameras können Fotos im RAW-Format aufnehmen. Dadurch lassen sich die Fotos auf dem PC super nachbearbeiten. Beim Vergrößern fällt auf. Je mehr man beschneiden will, desto höher muss die Auflösung sein. Das ist beim iPhone 11 Pro ein Fail. Hier muss das geschossene Foto am besten schon perfekt sein. Wer noch was feineinstellen oder vergrößern will, wird bei den Smartphone Fotos keine Freude haben.
  • Nachbearbeitung im Handy durch den Algorithmus der Software: Manche Selfies beim iPhone 11 Pro sehen grauenvoll aus. Total übersättigt, die falschen Stellen aufgehellt usw. Einfach, weil das iPhone 11 Pro dachte, es wäre eben diese und jene Szene im Bild und irgendwelche Einstellungen vorab getätigt hat. Damit ist das Foto weg, denn man hat nur dieses eine gemacht. Bei der DSLR oder Systemkamera passiert das nicht.
  • Pro- bzw. manueller Modus: Durch die Bedienung mit Einstellrädchen z.B. ist der Pro-Modus auf der DSLR und Systemkamera wesentlich besser zu bedienen als bei einem Handy. Hier muss alles über ein Menü gemacht werden, das niemand gerne aufruft.
  • Bildausschnitt: Die Weitwinkel-Kameras der Handys verzerren das Bild leider sehr. Auch hier geht ein Punkt an die “echten” Kameras. Unschlagbar ist der Bildausschnitt von Vollformat-Kameras.
  • Anschaffungskosten: Wer ein iPhone für 1000 Euro kauft, bekommt das iPhone, die Kamera, die Apps, alle anderen Funktionen usw. Für eine Vollformat-Kamera mit passenden Objektiven wird schon mindestens das dreifache fällig. So teuer die Flagschiff-Smartphones auch geworden sind, die Profi-Kameras sind immer noch um einiges teurer.

Smartphone Fotos, Systemkameras und Profi-DSLRs: Ein Fazit

Niemand wird wahrscheinlich einen Model-Fotografen, einen Set-Fotografen oder andere professionelle Fotografen mit einem iPhone am Set antreffen. Die Profi-DSLRs dominieren hier weiterhin das Feld. Die Überarbeitung von Fotos durch eine Software übernehmen die Profis immer noch selbst: Je nach Stimmung, Set und Absicht verändern die Fotografen und Designer Helligkeit, Kontrast, Highlights und so weiter. Das alles können Apps bei iOS und Android inzwischen auch. Die Parameter, die sich bei den Profis einstellen lassen, sind allerdings noch um einiges umfangreicher. Für Werbebanner, die im Print-Bereich eingesetzt werden, aber auch für digitale Werbung reichen die Bordmittel-Apps wie Snapseed oder Lightroom nicht aus. Deswegen wird die Smartphone-Fotografie und Foto-Bearbeitung auf den Handys immer im Privatbereich bleiben. Influencer hingegen steigen zumeist eben mit diesen Bordmitteln über Smartphones ein und professionalisieren sich nach und nach dann mit besserem Equipment wie eben einer hochwertigen DSLR oder einer Systemkamera. Für mich ist das Ergebnis ein klares Unentschieden: Mir sind die Möglichkeiten und Fähigkeiten eines Smartphones inzwischen zu limitiert. Wer einmal die Ergebnisse einer Vollformat-DSLR oder -Systemkamera mit eigenen Augen gesehen hat, der möchte das eigentlich auch nicht mehr missen. Wer schnell gute Ergebnisse für Instagram haben möchte, kann sich super ein aktuelles Smartphone zulegen und wird eine Weile zufrieden sein. Wer auf Foto-Touren geht, möchte dann vielleicht doch nochmal eine “richtige” Kamera dabei haben.

 

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